Über Wilhelm Hausenstein

Wilhelm Hausenstein um 1906

Wilhelm Hausenstein um 1906

Wilhelm Hausenstein war ein universal gebildeter Mensch, der als Reiseschriftsteller, Kunstschriftsteller, -kritiker, -historiker und -soziologe zugleich Maßstäbe setzte, die unverändert gültig sind.

Er wurde in Hornberg geboren, besuchte in Karlsruhe das Gymnasium und in Heidelberg die Universität und vertrat wie kaum ein anderer das, was im besten Sinne badisch ist – ohne provinzielle Enge, aber mit Scharfsicht und dem Scharfsinn dessen, der die Welt kannte und in der Fremde begriff, was die Heimat bedeutet.

Er war, gerade als Badener, ein Brückenbauer zum Nachbarn: als Literat und als Diplomat hat er, und zwar unter großen Schwierigkeiten, nach 1945 die Partnerschaft mit Frankreich neu begründet. Und dies konnte nur gelingen, weil er schließlich auch ein vorbildlicher Mensch war, der seiner Überzeugung treu blieb, auch als es ihn, in finsteren Zeiten, fast das Leben kostete.

 

1882 – Wilhelm Hausenstein wird am 17. Juni 1882 in Hornberg im badischen Schwarzwald geboren; sein Vater ist großherzoglicher Finanzbeamter, seine Mutter die Tochter des “Bärenwirts” in Hornberg.

1891-1900 – Humanistisches Gymnasium in Karlsruhe

1900-1905 – Studium an den Universitäten Heidelberg, Tübingen, München:  Philosophie, klassische Philologie, mittlere und neuere Geschichte, Nationalökonomie. Promotion (“summa cum laude”).

1906 – Paris:  Vorleser der im Exil lebenden Königin Marie-Sophie von Neapel-Sizilien, Schwester der Kaiserin Elisabeth von Österreich.

1907 – Eintritt in die Sozialdemokratische Partei; intensive Mitarbeit in den Arbeiter-Lehrkursen und an den “Sozialistischen Monatsheften”. Hierdurch wird die geplante Habilitation unmöglich gemacht. Freier Schriftsteller. Nachträglich Beginn des Studiums der Kunstgeschichte.

1908 – Ausgedehnte Reisen nach Frankreich, Belgien, Österreich, Italien, Holland, später auch Dänemark, Griechenland und Kleinasien.

1910 – Erstes Buch: “Der Bauern-Bruegel” (erste deutsche Monographie über den Maler).
Dann: “Rokoko. Französische und deutsche Illustratoren des 18. Jahrhunderts”; “Der nackte Mensch in der Kunst aller Zeiten und Völker”, etc.

1915 – Erste Begegnung mit Rainer Maria Rilke.

1916-1917 – Mitglied der Pressesektion der Politischen Abteilung beim deutschen Generalgouverneur in Brüssel. Redakteur des “Belfried”, Brüssel; Beginn der Mitarbeit bei der “Frankfurter Zeitung”. Hausenstein lernt in Brüssel seine spätere Frau, Margot Lipper, kennen. Intensive Studien zum Barock.

1918 – Publizistische Tätigkeit:  “Frankfurter Zeitung”, “Münchner Neueste Nachrichten”; Mitherausgeber des “Neuen Merkur”.

1919 – Austritt aus der Sozialdemokratischen Partei, weil sie ihm in einem gefährlichen Kompromiss mit der Rechten zu stehen schien.
Heirat mit Margot Lipper, München; Trauzeugen: Rainer Maria Rilke und Emil Preetorius. Bücher über den Isenheimer Altar, den Expressionismus in der Malerei und Paul Klee.

1922 – Geburt des einzigen Kindes; nach Rainer Maria Rilke auf den Namen Renée-Marie getauft.

1923 – Lunacarskij veröffentlicht in Moskau eine große Abhandlung über Hausensteins Arbeit, insbesondere seine Soziologie der Kunst.

1926 – In der Sowjet-Enzyklopädie erscheint von Hausenstein ein großer Beitrag über das Barock.
Hauptwerke:  “Kunstgeschichte”, “Rembrandt”; es folgen Monographien über Giotto, Fra Angelico, Carpaccio, etc.

1933 – Auf Weisung der Müchner Staatspolizei fristlose Entlassung aus der Redaktion der “Münchner Neuesten Nachrichten”.

1934-1943 – Schriftleiter “Literaturblatt” und “Die Frau” der “Frankfurter Zeitung”.

1936 – Verbot, Bücher zu veröffentlichen. Einstampfung der “Kunstgeschichte”, weil Hausenstein sich weigert, jüdische Künstler zu streichen und die Moderne im Sinne der Ausstellung “Entartete Kunst” zu verwerfen; in dieser Ausstellung wird er als “entarteter Künstler” angeprangert.

1940 – Übertritt vom Protestantismus zum Katholizismus.

1942 – Emigration der Tochter nach Brasilien.

1943 – Fristlose Entlassung aus der “Frankfurter Zeitung” wegen seiner jüdischen Ehefrau. Verbot jeglicher publizistischen Tätigkeit.

1944-1945 – Vollzug der Deportation auf Weisung der Geheimen Staatspolizei unterbleibt in letzter Stunde aufgrund der voranschreitenden Auflösung.
Arbeit an “Lux Perpetua” (Autobiographie), an Übersetzungen französischer Gedichte des 19. Jahrhunderts und anderen Büchern, die dann nach 1947 in dichter Folge erscheinen.

1945 – Mitbegründer der “Süddeutschen Zeitung”; Mitarbeiter der “Badischen Zeitung”, der “Neuen Zeitung”, der Zeitschriften “Hochland”, “Wandlung” und “Gegenwart”.

1948 – Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste; 1950 deren Präsident. Präsident der (deutsch-französischen) Schickele-Gesellschaft.

1949 – Mitglied der Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Mainz; Ehrenmitglied der Academia Goetheana in Sao Paulo, Brasilien. Hebel-Preis des Badischen Staates.

1950 – Mitglied der Akademie für Sprache und Dichtung, Darmstadt; Mitglied des PEN-Club.

Juli 1950 – Konrad Adenauer beruft Hausenstein als Generalkonsul der Bundesrepublik Deutschland nach Paris.

1951 – Chargé d’Affaires der Bundesrepublik Deutschland in Paris.

1952 – Verleihung des Großen Verdienstkreuzes der Bundesrepublik Deutschland mit Stern und Schulterband.

1953 – Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Paris (ad personam).

1954 – Literaturpreis der Stadt München.

1955 – Grand Officier de la Légion d’Honneur als erster Deutscher in diesem Jahrhundert. Verleihung des Professortitels durch das Land Baden-Württemberg.

Mai 1955 – Wilhelm und Margot Hausenstein kehren von Paris nach München und Tutzing zurück. Hausenstein arbeitet wieder als freier Schriftsteller; sein Werk umfasst inzwischen etwa 80 Bücher und unzählige Beiträge für Zeitungen, Zeitschriften und Rundfunk.

1957 – Wilhelm Hausenstein erliegt am 3. Juni einem Herzinfarkt und wird auf dem Friedhof von St. Georg in München-Bogenhausen begraben.

Nach Wilhelm Hausenstein wurden benannt:

1965 – ein Promenadenweg in den Maximiliansanlagen in München

1972 – das Neusprachliche Gymnasium an der Elektrastraße in München, Neu-Bogenhausen

1982 – die Grund- und Hauptschule in Hornberg

1982 – eine Allee in Karlsruhe (ehem. Knielinger Allee)

1990 – das Gymnasium in Durmersheim

Verantwortlich für den Inhalt: Schulleitung | Aktualisiert: 10.09.2019

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